Frisch gebackener Wiesenbesitzer - was nun ?

Sie sind "Neu-Wiesenbesitzer" und fragen sich wie es nun weiter geht? Nachfolgend erhalten Sie einen kleinen Überblick über die Tätigkeiten, die im Verlaufe eines Jahres auf Ihrer Obstbaumwiese zu tun sind. Zudem viele weiterführende Adressen, Links, Kontakte uvm. Schauen Sie einfach rein ! 

Streuobstwiesen sind ein ökologisch wertvolles Kulturgut, das es wert ist zu bewahren und zu fördern.

Wie und was kann der einzelne Baumwiesen-Besitzer dazu beitragen und auf was ist bei der Bewirtschaftung zu achten ?

1.) Baumschnitt

Nur durch fachgerechten und regelmäßigen Baumschnitt können Obstbäume eine hohe Standzeit erreichen. Beim Pflanzen von Obstbäumen ist der Pflanzschnitt unerlässlich. Bei Jungbäumen ist vom 1.- 5. Standjahr ein Erziehungsschnitt erforderlich. Ein Erhaltungsschnitt ist bei gesunden Bäumen nur alle 2-3 Jahre notwendig. Ein regelmäßiger jährlicher Pflegeschnitt erhöht Fruchtqualität und Fruchtbehang dauerhaft. Bei älteren, verwilderten Obstbäumen ist ein Sanierungsschnitt angesagt.

Schnittholz kann auf Reisigsammelplätzen deponiert werden. Informationen hierzu erhalten Sie in der Regel bei Ihrer Stadtverwaltung oder Kommune.

1 a) Schnittkurse

Baumschnittkurse für Winter- und Sommerschnitt an werden regelmäßig angeboten. Die Fachberatungsstellen (Telefonnummer s.u.) veranstalten zusammen mit den Fachwartvereinigungen  mehrtägige Ausbildungskurse für den "Fachwart für Obst und Garten".

Zudem bieten die Fachberatungsstelle  regelmäßig 1-tägige Schnittkurse an. Viele dieser Kurse finden Sie auf unserer Homepage unter der Rubrik "Veranstaltungen".

2.) Baumrodung/Neupflanzung

Einen morschen Baum kann man auch stehen lassen. Totholz bietet für Insekten, Kleintiere und Vögel ein Zuhause. Bei Unfallgefahr ist der Baum zu fällen. Bei Rodungen sollten Nachpflanzungen erfolgen (in Landschaftsschutzgebieten ist im Regelfall die Nachpflanzung Pflicht). Als Neupflanzung sollte man Hochstämme wählen. Sortenempfehlungen gibt die Fachberatungsstelle für Obst- und Gartenbau des jeweiligen Landratsamtes (Telefonnummer s.u.). Unten stehend finden Sie eine Anleitung - zur Verfügung gestellt vom Landwirtschaftsamt Göppingen - zur Pflanzung von Hochstammbäumen, sowie eine Liste der empfohlenen Sorten.  

3.) Baumwiese

Die Wiese stellt ein ökologisch wertvolles Kleinbiotop dar, in dem Insekten, Kleintiere sowie Bienen Lebensraum und Nahrung finden. Der erste Grasschnitt sollte ca. Ende Juni erfolgen, insgesamt 2-3 mal pro Jahr. Ein Balkenmähwerk schädigt Kleinstlebewesen am wenigsten. Den Grasschnitt nach Möglichkeit entfernen. Ökologisch nicht optimal ist das Mulchen.

4.) Ernte/Obstverwertung

Man unterscheidet zwischen Tafel- und Wirtschaftsobst, früh- und spätreifenden Sorten, Pflück- und Genußreife. Obst für den Frischverzehr soll am Baum voll ausreifen. Obst für die Langzeitlagerung ist vor der Vollreife zu ernten. Die Obstsorten auf der Baumwiese sollte man kennen und dokumentieren. Für die Weiterverarbeitung nur gesundes, reifes Obst verwenden. Tafelobst ist zum Verzehr und für sonstige Verarbeitung geeignet. Wirtschaftsobst wird im Regelfall zur Saft- und Mostherstellung und zur Herstellung von Obstbränden verwendet. Fallobst kann in Mostereien zu Saft verpresst werden. Der frische Saft ist unbehandelt ca. 3 Tage süß, danach fängt die Gärung an. Frischer Saft muss für die Langzeitlagerung pasteurisiert -erhitzt- werden. Wer erhitzen und abfüllen nicht selbst durchführen will, kann das Bag-In-Box-Verfahren wählen, welches viele Mostereien anbieten. Überschüssiges Fallobst kann bei Sammelstellen an die Saftindustrie verkauft oder zu Safttausch abgegeben werden. Reifes Obst kann vielseitig verwendet werden, zu Kompott, Marmelade, Gelee, Obstkuchen, Dörrobst oder Likör. Viele leckere Rezepte finden Sie auf unserer Homepage unter der Rubrik "Genießen".

5.) Düngung

Obstbäume brauchen eine ausgeglichene Nährstoffversorgung Vor einer Düngung sollte eine Bodenuntersuchung durchgeführt werden. Wir empfehlen eine Bodenuntersuchung alle 5 Jahre.

6.) Pflanzenschutzmaßnahmen

Grundsätzlich sollte man robuste und schorfresistente Obstsorten pflanzen. Pflanzenschutzmaßnahmen sind nur bei extremem Schädlings– oder Krankheitsbefall notwendig. Speziell Jungbäume müssen vor Lausbefall geschützt werden. Nur zugelassene, möglichst bienenungefährliche oder biologische Pflanzenschutzmittel einsetzen. Zum richtigen und sachgerechten Umgang mit Pflanzenschutzmitteln ist ein Sachkundelehrgang hilfreich. Die Fachberatungsstellen der Landratsämter geben hier Auskunft. Pfanzenschutzmittel verschlossen aufbewahren und NICHT über den Hausmüll entsorgen. 

7.) Materialien und Geräte

Sämtliche Geräte und Werkzeuge müssen den Unfallverhütungsvorschriften entsprechen. Für dir Mahd (s.o.) wird ein eigenes Mähgerät benötigt bzw. jemanden der die Mäharbeiten ausführt. Zudem benötigen Sie Anlege- oder Bockleitern mit Stützen, eine Schüttelstange, einen Erntekorb mit Haken zum Einhängen an die Leiter, sowie Obstkisten für die Langzeitlagerung. Für den Baumschnitt ist eine Rebschere, Astschere und eine Baumsäge nötig. Im Fachhandel (z.B. Haus- und Gartenmarkt Metzingen-Neuhausen) gibt es zahlreiche Zusatzgeräte. Evtl. benötigen Sie eine Motorsäge für Baumfällarbeiten und einen PKW-Einachsanhänger. Verschiedene Obstbau-Fachliteratur ist ebenfalls hilfreich. Hier verweisen wir auf die Homepage des Landesverbandes für Obstbau, Garten und Landschaft (kurz: LOGL) www.logl-bw.de die viel Literatur bereit hält.

8.) Gesetze/Vorschriften

Für Besitzer einer Baumwiese gibt es auch rechtliche Vorschriften. Auskünfte sind bei der zugehörigen Gemeinde einzuholen. Die Baumwiese kann über die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft versichert werden. Hinweis: Geschirrhütten, in denen Gerätschaften für die Bewirtschaftung gelagert werden) sind meist nur mit Genehmigung möglich. 

9.) Interessante Internet-Adressen und Ansprechpartner:

Neben den Fachberatungsstellen für Obst- und Gartenbau in den jeweiligen Landratsämtern sind die örtlichen Obst- und Gartenbauvereine wichtige Partner im Bereich Streuobstbau. Ein umfangreicher Erfahrungsschatz, Informationen zu saisonalen Themen, Schnittkurse uvm. sind für "Einsteiger" und "Profis" ein wichtiger Baustein bei der Bewirtschaftung der eigenen Obstbaumwiese. Informationen zu den einzelnen OGV`s finden Sie u.a. auf der Homepage des LOGL Baden-Württemberg.

Hier erhalten Sie weitere interessante Informationen zu zahlreichen Themen rund um die Streuobstwiese:

www.fachwarte.de

www.logl-bw.de

www.naturschutzcenter.de

Landratsamt Esslingen

Obst- und Gartenbauberatung

Pulverwiesen 11

73728 Esslingen

Corina Schweikardt, Tel.: 0711 - 3902-2421

Albrecht Schützinger, Tel.: 0711 - 3902-1487

www.landkreis-esslingen.de

Landratsamt Reutlingen - Kreisamt für nachhaltiger Entwicklung

Grünflächenberatung

Gartenstraße 49
72764 Reutlingen

Ulrich Schröfel, Thilo Tschersich, Vanessa Zenker, Tel.: 07121 - 480-3327

www.kreis-reutlingen.de

Landratsamt Göppingen - Landwirtschaftsamt

Beratung für Obstbau und Grünordnung

Pappelallee 10

73037 Göppingen

Rainer Klingler, Tel.:  07161 - 202-413

www.landkreis-goeppingen.de

Landratsamt Tübingen

Amt für Landwirtschaft, Baurecht und Naturschutz

Wilhelm-Keil-Strasse 50

72072 Tübingen

Joachim Löckelt, Tel.: 07071 - 207-4057

Ursula Maurer, Tel.: 07071 - 208-4099

www.kreis-tuebingen.de

Landratsamt Zollernalbkreis

Umweltamt

Hirschbergstrasse 29

72336 Balingen

Markus Zehnder, Tel.: 07433 - 92-1303

www.zollernalbkreis.de

Landratsamt Böblingen

Obst- und Gartenbauberatung

Parkstrasse 16

71034 Böblingen

Manfred Nuber, Tel.: 07031 - 663-1000

www.lrabb.de

Veranstaltungen

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