Preisträger der Eduard-Lucas-Medaille 2014: August Kottmann

Der diesjährige Preisträger der Eduard-Lucas-Medaille kommt aus den Reihen des Schwäbischen Streuobstparadieses. Wir gratulieren August Kottmann aus Bad Ditzenbach herzlich zur Preisvergabe !

Wer kennt den begeisterten Fan des Streuobstbaus und der alten Obstsorten nicht: Den Obstbrenner mit qualitativ hochstehenden Produkten und den Gastronom mit Hang zur Regionalität - und das schon zu einer Zeit als dieses Begriff für viele noch ein Fremdwort war. August Kottmann ist eine Persönlichkeit mit Visionen, die schon durch ihr Auftreten Leute begeistern kann und die durch das Wirken in vielen Ausschüssen und Gremien positive Meilensteine setzte.

Der Verein zur Erhaltung und Förderung alter Obstsorten e.V verleiht seit dem Jahr 2002 jährlich eine Auszeichnung an Personen, die sich um den heimischen Streuobstbau und die alten Obstsorten verdient gemacht haben. Wie notwendig es ist, sich dieser wertvollen Kulturlandschaft anzunehmen, zeigen die Kartierungen der letzten Jahre: ein Großteil der Apfel- und Birnenbäume ist nicht mehr gesund. In erster Linie verantwortlich dafür ist die mangelhafte Pflege. Einen Ausweg bietet die Verwertung der Früchte unter dem Motto "Schützen durch nützen".
 Die Verleihung der Medaille an den diesjährigen Preisträger August Kottmann, Bad Ditzenbach-Gosbach, erfolgte auf der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd im Zusammenhang mit der Ausstellungseröffnung „Streuobst “. Dr. Konrad Rühl vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz hielt eine Laudatio und übergab die Medaille, die vom Vorsitzenden des Vereins - Jörg Geiger - überreicht wurde.
 August Kottmann wurde im sogenannten "Gaisentäle" geboren. Durch seine Eltern, die einen landwirtschaftlichen Betrieb und eine Gatsstätte hatten, kam er über Umwege zum Kochen. Alles das er anfasst, macht er mit Leidenschaft. Er erknatte früh die Bedeutung der Regionalität im Gaststättengewerbe und da das Gaisentäle unter anderem auch durch seinen Streuobstbau bekannt ist, fand das Obst schon sehr früh den Weg in seine gehobene Küche. Sei es als Koch- oder Dörrobst zur Verfeinerung der Speisen oder als Frischobst im Dessert. Mit zur Verfeinerung tragen auch die Obstaromen bei, die August Kottmann in seinen Destillaten einfängt und konserviert.

Die Brennerei ist, nach der Übergabe des Restaurants an seinen Sohn, in der Zwischenzeit sein Lieblingskind. Das Obstbrennen hat in Hause Kottmann durchaus Tradition. Schon seit 1804 wird die Edelobstbrennerei betrieben.
 Die Vielzahl der Edelbrände ist in seiner Destithek zu bestaunen, darunter viele mit internationaler Auszeichnung. August Kottmann ist ein leidenschaftlicher Brenner, der größten Wert auf das Ausgangsmaterial legt. „Gute Brände gibt es nur mit gutem und vor allem auch reifem Obst“, ist seine Devise. Bei der Ernte ist der Chef an vorderster Stelle zu finden. Es gibt kein Obst, von dem Kottmann noch kein Destillat, d. h. einen Edelbrand gemacht hat.  Diese kann man auch in seinem Restaurant in einem 6- Gänge Destillatmenü geniessen. Zu jedem Gang gibt es ein anderes Destillat, passend zu der jeweiligen Speise. Essen und Destillate stellt er auch in seinem Buch „ Geistvolles von der Alb“ vor.

Sein Wissen und seine Erfahrungen im Bereich Streuobst gibt er auch im Rahmen des Vereins Schwäbisches Streuobstparadies weiter, dessen Mitbegründer er ist und zu dessen Vorstand er auch gehört. August Kottmann ist auch einer der Hauptinitiatoren des bekannten Obstlehrpfads Ditzenbach-Gosbach und eine treibende Kraft für die laufende Vergrößerung des Lehrpfads. Hinter seinem Haus stehen schon wieder verschieden junge Obstbäume in der Anzucht. Auch in Sachen Obstsortenbestimmung ist er tätig und lässt nach Aussagen von Gütlesbesitzern sofort den Kochlöffel fallen, wenn jemand mit einer Sorte kommt und den Namen wissen will.

August Kottmann ist ein Visionär in Sachen Streuobstwiesen. In Vorträgen macht er Werbung für die Streuobstwiesen und ist in der Zwischenzeit als Fachmann bis ins Österreichische Mostviertel gefragt. Eines der größten Probleme sieht er in der Pflege der Wiesen. Wer mäht die Wiesen noch, wenn es kein Vieh mehr gibt, was heute schon in vielen Ortschaften der Fall ist. Er hat selber über 300 Obstbaume, die er pflegt. Für die Schüler der Grundschule Gosbach hat er einen Obstgarten angelegt und zusammen mit der Streuobstpädagogin Beate Holderied, ebenfalls Mitglied im Verein Schwäbisches Streuobstparadies, begeistert er die Kinder für den Streuobstbau. Denn nur mit Begeisterung lässt sich seiner Meinung nach der Streuobstbau auf Dauer erhalten. Er versucht aber auch, Bäcker für die Verarbeitung von Trockenobst zu gewinnen und auch Metzger für die Verarbeitung von Äpfeln in der Wurst. In der Gastronomie-Zeitschrift stellt er jetzt regionale Produkte mit den verschiedenen Obstarten vor.

August Kottmann ist auf vielen Gebieten tätig, um die alten Obstsorten und die Streuobstwiesen zu erhalten. Es gibt nur wenig Menschen, die diese große Aufgabe mit so viel Begeisterung auf sich nehmen. Die Auszeichnung soll eine Anerkennung seiner vielen bisher schon geleisteten Arbeit sein, verbunden mit der Hoffnung, dass er noch viele Jahre für den Streuobstbau und die alten Obstsorten tätig sein kann.

Autor: Dr. Walter Hartmann, Hohenheim