Ein Aperitif der eine Kulturlandschaft schützt

Der Landwirtschaftspreis für Unternehmerische Innovationen wurde am Mittwoch den 7. Dezember 2016 an drei Projekte verliehen. Eines davon ist der Birnenaperitif der BIRNOH-Gilde durch den die Kulturlandschaft in Baden Württemberg geschützt werden soll.

Aufstrebende Kirschen und ein Aperitif, der eine Kulturlandschaft retten soll

Ein Melkstand, der zu den Kühen kommt, ein neuartiges Erziehungssystem für Kirschen und ein Aperitif, der eine Kulturlandschaft retten soll – wieder wurden drei originelle und wegweisende Projekte aus der Praxis mit dem Landwirtschaftspreis für Unternehmerische Innovationen, kurz L•U•I, ausgezeichnet. Verliehen wurde der Preis – in diesem Jahr bereits zum 20. Mal – am Mittwoch, den 7. Dezember 2016, in Achern.

Die Preisträger

Nominiert waren sechs Projekte aus ganz Baden-Württemberg, die die Jury im Sommer aus den eingegangen Bewerbungen herausgesucht und bei einer Juryfahrt im September besucht hatte. Überzeugen konnte allen voran Joachim Dorer aus Furtwangen, der einen mobilen Melkstand entwickelt hat. So erspart er sich und den Tieren den langen Weg zwischen Stall und Weide. Auf den zweiten Platz kam der Obsthof Brändlin aus Efringen-Kirchen. „Upright Fruiting Offshoots“, also aufrecht wachsende Fruchttriebe oder einfach kurz „UFO“ heißt sein neuartiges Erziehungssystem, das mehr und bessere Kirschen verspricht. Dass aber auch alte Streuobstwiesen weiterhin bestehen bleiben können, dafür will die BIRNOH-Gilde mit einem neuartigen Birnenaperitif sorgen. Mit ihrem Projekt kamen sie auf Platz drei.

Verleihung durch Erzbischof Burger

Die Verleihung fand in den Räumlichkeiten der Illenau in Achern statt. Dabei standen neben den diesjährigen Preisträgern auch die Gewinner der vergangenen 19 Preisverleihungen im Mittelpunkt. Zu diesen gehörten unter anderem die „Bure zum aalange“, die auf gewohnt kabarettistische Weise durchs Programm führten und andere ehemalige Preisträger interviewten. Die Preisverleihung selbst wurde von Erzbischof Stephan Burger, Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch und Thomas Huschle, dem Vorsitzender der L•U•I-Jury, vorgenommen.

1. Preis: Mobiler Weidemelkstand

Preisträger:Joachim Dorer, Im Mäderstal 4, 78120 Furtwangen, Tel. 07723-503132

Preisgeld:2.500 €

Kategorie:Landwirtschaft

Joachim Dorer vom Bernhardenhof in Furtwangen hat sich nach seinen eigenen Plänen (in Form eines Lego-Modells) einen mobilen Weidemelkstand bauen lassen. Dieser wird an einen Traktor angehängt und komplett von diesem aus betrieben. So ist er weder an die Hofstätte noch an Strom- oder Wasseranschlüsse gebunden. Auch für die sofortige Kühlung der Milch ist gesorgt. Der besondere Clou: Die Kühe werden mittels Hebebühne auf ein ergonomisch sinnvolles Niveau gehoben, sodass die Arbeit rückenschonend bewerkstelligt werden kann.

Nicht nur für den Landwirt selbst hat der mobile Melkstand viele Vorteile. Auch für die Offenhaltung von Flächen in steilen Schwarzwaldtälern und anderen entlegenen Gebieten hat er einen großen Nutzen. Weideflächen, die wegen ihrer Entfernung zum Hof bisher oft aufgegeben wurden und aufgrund ihres Reliefs auch nicht maschinell bewirtschaftet werden konnten, können nun wieder rentabel als Ganztagesweide genutzt werden. Selbst größere Herden von 50 bis 70 Tieren können mobil gemolken werden.

2. Preis: Markgräfler UFO

Preisträger:Obsthof Brändlin GbR, Kevin Brändlin, Am Sattel 13,
79588 Efringen-Kirchen, Tel. 0173 - 7815385

Preisgeld:1.500 €

Kategorie:Landwirtschaft

Was futuristisch klingt, ist eigentlich ein Erziehungssystem für Kirschbäume zum effizienten Anbau von Tafelkirschen. UFO steht für „Upright Fruiting Offshoots“, also aufrecht wachsende Fruchttriebe. Die Grundidee stammt aus den USA. Kevin Brändlin hat diese Methode weiterentwickelt und an die hiesigen Bedingungen angepasst, was viele Experten bisher nicht für möglich  gehalten hatten.

Im Gegensatz zur bisher üblichen „Deutschen Spindel“ bietet das UFO-System viele Vorteile. Da hier keine Leiter mehr benötigt wird, ist eine höhere Ernteleistung möglich, während zugleich die Unfallgefahr gemindert wird. Der Schnitt ist weniger kompliziert und kann daher auch von ungelerntem Personal und in manchen Fällen auch von Maschinen übernommen werden. Die Qualität kann durch die Vermeidung von Schattenfrüchten, die Quantität durch engere Bepflanzung gesteigert werden. Zudem spart UFO, umgerechnet auf das Kilo Kirschen, sowohl Dünger als auch Pflanzenschutzmittel.

3. Preis: BIRNOH

Preisträger:BIRNOH-Gilde
(Günther Schäfer, Manuel Straßer, Jochen Mayer, Klaus Jung), c/o Streuobstmosterei Stahringen, Am Bahnhof 7, 78315 Radolfzell,
Tel. 07738 – 1729

Preisgeld:1.000 €

Kategorie:Unternehmenskooperation

Streuobstwiesen sind prägend für Baden-Württemberg. Leider werden vor allem Birnen aus Streuostbestand oft nicht mehr verwendet. Die BIRNOH-Gilde hat sich deshalb zum Ziel gemacht, diese alten Birnbaumbestände zu erhalten. Dafür hat sie einen Aperitif aus den typischen Sreuobstbirnen entwickelt: Die Birnen werden dazu gemaischt, vergoren und zu einem hochprozentigen Ur-Destillat gebrannt. Frühestens im folgenden Jahr wird frisch gekelterter Birnensaft mit dem Destillat vereinigt. Wieder ein Jahr später ist der BIRNOH im Eichenfass zur vollen Geschmacksfülle gereift und kann in Flaschen abgefüllt werden. Produziert wird der BIRNOH nicht nur an einem Standort, sondern – jeweils nach dem gleichen Verfahren – in vier Regionen im Land. Je nachdem, ob er am Bodenseee, auf der Schwäbischen Alb, im Südschwarzwald oder im Schönbuch & Heckengäu produziert wurde, hat er seinen ganz eigenen Geschmack.

Durch die Nutzung alter Birnbaumstreuobstwiesen trägt das Projekt zur Sicherung des (Kultur-)Landschaftbildes in Baden-Württemberg bei. So wird auch ein wichtiger Lebensraum für Tiere erhalten. Gleichzeitiger steigt der Preis für Streuobstbirnen, sodass BIRNOH auch einen Beitrag zur Wertschöpfung in der Region leistet.